10 Trends im Social Media Marketing – Trend Nr. 4: Open Innovation

von Fred Geiger

Trend Nr. 4: Open Innovation

Soziale Medien verändern nicht nur die Art und Weise warum, wie, wo und wann wir miteinander kommunizieren und Informationen austauschen, wir stehen aus meiner Sicht erst am Anfang einer viel umfassenderen Veränderung, ja vielleicht sogar einer echten Revolution. Ich bin der Überzeugung, dass wir bis zum Ende dieser Dekade, getrieben durch die Sozialen Medien, nicht nur ein verändertes Kommunikations- und Entscheidungsverhalten, sondern einen wirklichen Paradigmenwechsel in der sozialen und ökonomischen Entwicklung der Menschheit erleben werden. Das ist auch keine wirkliche Überraschung, finden doch, ausgehend vom Zeitalter der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, etwa alle 30 bis 35 Jahre dramatische Veränderungen in der Wirtschaft und damit in der Welt selber statt. Das bedeutet konkret: Social Media ist vielleicht der nächste Kondratjew (je nach Transkription auch als Kontratieff oder Kontratiev bezeichnet) – wir haben es nur noch nicht erkannt. Nikolai Kondratjew war ein russischer Wirtschaftswissenschaftler, der die Gesetze der langfristigen Konjunkturzyklen entdeckt hat und vor allem die Ursachen dafür, dass etwa alle 30 bis 35 Jahre neue Technologien oder Ideen und deren Anwendung neue Wohlstandsschübe auslösen. Am Ende eines solchen Zyklus stehen dann Krisen (die sich bei Kondratjew durch mangelndes Wachstum, fehlende attraktive Anlagemöglichkeiten für Kapitalanleger und eine lange Phase niedriger Zinsen manifestieren (sic!)), weil Technologien und Ideen, die den letzten Kondratjew initiiert haben, an ihre Grenzen stoßen. Am Ende eines Kondratjew kommt dann der Zeitpunkt, in der neue Ideen wieder einen lang anhaltenden Boom bringen. Die positive Botschaft daraus ist: die Marktwirtschaft erfindet sich in einer Krise immer wieder neu. Negativ war diese Botschaft für Kontradjew selbst, denn diese Theorie widersprach der marxistischen Weltordnung (die den zwangsläufigen Untergang des Kapitalismus als unaufhaltbar ansah): deshalb ließ Stalin Kondratjew nach vielen Jahren in Haft im Jahr 1938 umbringen.

Die Legende vom Silver Surfer

Soziale Medien – ist das nicht gerade ein Thema für “ältere Zielgruppen”? In der Tat erscheinen soziale Medien für ältere Zielgruppen auf den ersten Blick faszinierende Möglichkeiten zu bieten:

  • Sei es der Kontakt mit den Enkelkindern in der nächsten Großstadt oder gar auf einem anderen Kontinent der Erde. Wären da nicht Twitter, Facebook, Skype & Co. eine ideale Lösung?
  • Ältere Menschen sind beim Kauf von Produkten eher kritisch, legen mehr Wert auf Qualität und wägen Anschaffungen eher ab als Jüngere. Liegt es da nicht nahe, dass hier Bewertungs- und Informationsportale hohe Akzeptanz genießen?
  • Der Rentner als solcher (Vorsicht Klischee) hat ja mehr freie Zeit. Ist es da nicht fast schon logisch, dass er dann auch mehr Zeit im Web mit der Pflege sozialer Kontakte verbringen wird?
  • Ältere Zielgruppen verfügen über ein deutlich höheres frei verfügbares Einkommen und sind auch nicht mit der “Umsonst-Kultur” des Web aufgewachsen, konkret: Sie sind für nutzwertige Angebote auch bereit zu bezahlen.

Da stellt sich zunächst die Frage, ob es ihn wirklich gibt, den “Silver Surfer”, den Menschen ab 60 im Web?

Zunächst ist die Internetnutzung bei älteren Zielgruppen überraschend hoch (Quelle: ARD-Onlinestudie 2011):

Social Media Strategien – warum ist das Chefsache?

.. in einem Seminar letzte Woche tauchte folgende Frage auf: Müssen nicht zunächst die zuständigen Mitarbeiter, sprich die, die dann Social Media umsetzen sollen nicht in die Entwicklung der Social Media Strategie eingebunden werden, schließlich haben gerade die Entscheider in den Unternehmen oft keine Ahnung vom Thema? Ich meine nein, denn der Einstieg in Soziale Medien ist für jedes Unternehmen „ein Schritt über den Rubikon“, sprich hier droht Kontrollverlust über Botschaften, hier werde ich öffentlich, hier ist Vertrauen in die Mitarbeiter notwendig. Am Ende kann nur Chef entscheiden, welche Werte das Unternehmen „nach außen“ darstellen will, sprich die Basis ist die Corporate Identity. Diese wiederum ist a.) ja hoffentlich schon vorhanden (wenn auch eben nicht immer schriftlich) und b.) eben Chefsache und nicht eine „demokratische Veranstaltung“.  Social Media Marketing ist deshalb zuallererst „eine Frage der Haltung“ der Geschäftsleitung zum Thema und nicht “der Ahnung der Geschäftsleitung” vom Thema.