Die 10 größten Fehler im Marketing – Beispiel 1: Der Verzicht auf Ethnomarketing

Als ethnische (von griechisch „ethnos“ = das Volk) Minderheiten werden zunächst Volksgruppen bezeichnet, die auf dem Gebiet eines Staates leben, das mehrheitlich von einer anderen Volksgruppe bewohnt wird. In der Ära des Nationalstaats (in Deutschland vor allem der Zeitraum zwischen 1871 und 1945), standen Minderheiten unter einem hohen Assimilierungsdruck, weshalb zum Beispiel die hohe Zahl der ins Ruhrgebiet eingewanderten polnischsprachigen Zuwanderer sich schnell integriert hat. An die slawischen Wurzeln vieler Einwohner des Ruhrgebiets erinnern heute allenfalls noch die Namen.

In Deutschland wurde Ethnomarketing erst vor wenigen Jahren entdeckt. So begann die Bildung stabiler ethnischer Minderheiten im großen Stil bei uns erst Ende der 70er Jahre, als klar wurde, dass die Masse der in den 60ere und frühen 70er Jahren zugewanderten Gastarbeiter dauerhaft in Deutschland bleiben wird. Hinzu kam der neue Zuzug in sich geschlossener neure Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel der Russlanddeutschen (rund 2,3 Mio.). Auch kam es aus ganz verschiedenen Gründen nicht zur Assimilierung dieser neuen Bevölkerungsgruppen in der zweiten oder dritten Generation.

Im Gegenteil: durch die zum Teil sehr ausgeprägte räumliche Ballung von Ethnien (so gilt Berlin-Kreuzberg als die größte türkische Stadt ausserhalb der Türkei) und die Bildung einer kompletten Infrastruktur (mit spezifischen Produkten und Läden) und mit einer eigenen Informationsgesellschaft (mit Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsendern) erreichen wir heute insbesondere den türkisch geprägten Teil unser Bevölkerung (immerhin knapp 3 Mio. Personen) mit einem standardisierten Marketingmix nicht mehr.