Die 10 größten Fehler im Marketing – Beispiel 9: Die Generation 60plus unterschätzen Teil 1

von Fred Geiger

Auch wenn uns die aktuelle politische und gesellschaftliche Diskussion davon ablenkt: die größte Herausforderung der nächsten 30 Jahre ist weder die Flüchtlingskrise, TTIP, Industrie 4.0, der drohende Brexit oder der Wandel in der europäischen Parteienlandschaft – die größte Krise, die unserem Land bevorsteht ist die “Demografiebombe”, die ihre Wirkung in den nächsten 20 Jahren unaufhaltsam entfalten und (nicht nur) unser Land in dramatischer Weise verändern wird. Was auf uns zukommt, wird uns die Probleme der Wiedervereinigung Deutschlands in der Nachbetrachtung als vergleichsweise lächerlich erscheinen lassen.

Die Vorstellung, dass Deutschland in den nächsten 30 Jahren möglicher Weise um bis zu 20 Mio. Einwohner schrumpfen wird oder wir bis 2030 mehr Menschen verlieren werden als in beiden Weltkriegen zusammen stellt das größte angekündigte Desaster der jüngeren Geschichte dar. Entsprechend wird unsere Republik altern: der Anteil der über 60-Jährigen an der Bevölkerung dieses Landes wird in wenigen Jahren größer sein als der der angeblich so werberelevanten Gruppe der 14-49-Jährigen. Die höchsten frei verfügbaren Einkommen haben, entgegen des landläufigen Vorurteils auch nicht die Mitdreißiger, sondern die Altersgruppen über 60. Auch ist der Erstkäufer eines schicken Mercedes SLK kein Jungmanager oder ein erfolgreicher Start-Up-Unternehmer unter 30, der Erstkäufer eines solchen Fahrzeugs ist im Schnitt 55 Jahre alt.

Die Legende vom Silver Surfer

Soziale Medien – ist das nicht gerade ein Thema für “ältere Zielgruppen”? In der Tat erscheinen soziale Medien für ältere Zielgruppen auf den ersten Blick faszinierende Möglichkeiten zu bieten:

  • Sei es der Kontakt mit den Enkelkindern in der nächsten Großstadt oder gar auf einem anderen Kontinent der Erde. Wären da nicht Twitter, Facebook, Skype & Co. eine ideale Lösung?
  • Ältere Menschen sind beim Kauf von Produkten eher kritisch, legen mehr Wert auf Qualität und wägen Anschaffungen eher ab als Jüngere. Liegt es da nicht nahe, dass hier Bewertungs- und Informationsportale hohe Akzeptanz genießen?
  • Der Rentner als solcher (Vorsicht Klischee) hat ja mehr freie Zeit. Ist es da nicht fast schon logisch, dass er dann auch mehr Zeit im Web mit der Pflege sozialer Kontakte verbringen wird?
  • Ältere Zielgruppen verfügen über ein deutlich höheres frei verfügbares Einkommen und sind auch nicht mit der “Umsonst-Kultur” des Web aufgewachsen, konkret: Sie sind für nutzwertige Angebote auch bereit zu bezahlen.

Da stellt sich zunächst die Frage, ob es ihn wirklich gibt, den “Silver Surfer”, den Menschen ab 60 im Web?

Zunächst ist die Internetnutzung bei älteren Zielgruppen überraschend hoch (Quelle: ARD-Onlinestudie 2011):