Die 4 größten Risiken für Facebook

Stellen wir uns einmal vor, eine kleine amerikanische Softwarefirma hätte gerade keine Kapazitäten frei gehabt, als IBM dringend (weil eine andere Softwarefirma abgesprungen war) und extrem kurzfristig ein Betriebssystem für ihren neuen PC gebraucht hat. Bill Gates wäre heute wahrscheinlich der Chef eines mittelständischen Softwareunternehmens, der PC hätte sich vielleicht als Irrweg der Informationstechnologie herausgestellt und die Großrechnertechnologie wäre weiter entwickelt worden. Was wäre passiert, wenn Google schon 1996 gegründet worden wäre und im Jahr 2000, in der Boomzeit der Internetaktien an der Wallstreet vorgestellt worden wäre. Vielleicht wäre Google dann genauso untergegangen wie die allermeisten Dotcom-Unternehmen und Larry Page würde als Professor Informatik an einer unbekannten amerikanischen Provinzuniversität mit zweifelhaftem wissenschaftlichem Ruf unterrichten. Ähnlich verhält es sich meiner Meinung nach mit der Zukunft von Facebook: einen Börsenhype hat das Unternehmen clever genutzt, nur muss es jetzt beweisen, dass es 100. Mrd. US $ wert ist. Und es gibt gute Gründe skeptisch zu sein, da es eine ganze Reihe von Risiken gibt:

►    Risiko Nr. 1: Der Markt ist gesättigt

Der Fluch der unglaublichen Wachstumsraten liegt ein der Sättigung der Märkte. Es ist ein wenig so, wie bei einer Heuschreckenplage: das expotenzielle Wachstum des Heuschreckenschwarms führt dazu, das durch das Verzehren aller Ressourcen kein Wachstum mehr möglich ist. Facebook erreicht beinahe jeden 2. US-Amerikaner, in Europa sind es schon fast 250 Millionen Mitglieder und das Wachstum in Schwellenländern ist auch begrenzt, weil China Facebook aufgrund der Zensurbedingungen nicht zulässt. Insofern muss Facebook Mittel und Wege finden aus dem bisherigen quantitativen Wachstum ein qualitatives  zu machen.  Das am stärksten wachsende Facebook-Land in Europa ist übrigens Deutschland, hier kamen in den letzten sechs Monaten gut 1,9 Mio. Mitglieder dazu und die 30 Mio.-Marke an Mitgliedern wurde überschritten, aber woher soll das weitere Wachstum kommen?

►    Risiko Nr. 2: Zu wenig Diversifikation

Google kauft im Monatsrhythmus Wettbewerber und interessante Geschäftsideen auf. So existierte die Videoplattform Youtube gerade einmal 18 Monate, beschäftigte nur insgesamt 65 Mitarbeiter und wurde für 1,65 Mrd. US $ an Google verkauft. Heute ist Youtube innerhalb des Google-Konzerns ein absolutes Kerngeschäft. Google bietet zudem eine Vielzahl von Lösungen: sei es die Bildersuche, das Thema Shopping oder Google Earth und vieles andere mehr. Facebook hingegen hat im Grunde nur ein einziges Angebot, nämlich das Soziale Netzwerk, ohne nennenswerte zusätzliche technische Feature oder gar durch Patente geschützte einzigartige Vorteile. Im Grunde ist Facebook nur (oder je nach Sichtweise auch „immerhin“) eine Marke. Ob das für den langfristigen Erfolg ausreicht, darf man durchaus bezweifeln. Als warnendes Beispiel hierfür kann MySpace gelten: am Anfang Marktführer bei den Sozialen Netzwerken, ist MySpace heute ohne jede Bedeutung. Im deutschsprachigen Raum sind Second Life oder die VZ-Netzwerke Beispiele, wie mangelnde Diversifikation vom Markt bestraft wird. Die Fokussierung auf nur ein einziges Geschäftsmodell hat Facebook stark gemacht, birgt aber in der Zukunft, gerade in dieser extrem schnelllebigen Branche auch gewaltige Risiken.

►    Risiko Nr. 3: Ein ertragreiches nachhaltiges Geschäftsmodell für Smartphones fehlt

Die Einnahmen von Facebook basieren zum großen Teil auf Internetwerbung, die über Benutzerprofile auch präzise gesteuert wird (behavioural targeting advertising). Überraschend ist aber die relativ schlechte Aufstellung von Facebook in Sachen Mobile Advertising. Obwohl inzwischen ein ganz erheblicher Teil der Facebook-Nutzung mobil, vorwiegend über Smartphones, erfolgt, gibt es bei Facebook bisher keine wirklich erfolgreichen mobilen Werbemodelle.

►    Risiko Nr. 4: Facebook verdient viel zu wenig

Der Börsengang hat ja fast das 25fache des aktuellen Umsatzes eingebracht. Eine Zahl, bei der jeder Börsenanalyst den Käufer einer Facebook Aktie für verrückt erklären würde.  Als Beispiel sei hier auch wieder Google genannt, wo beim Börsengang die Fundamentaldaten in einem sogar noch atemberaubenderen Verhältnis zum erwartenden Aktienkurs standen. Allerdings gibt es einen deutlichen Unterschied: die Ertragsperspektiven von Facebook sind, auf Basis des aktuellen Geschäftsmodells nicht mit denen von Google vergleichbar. Das zeigt sich schon daran, dass im 4. Quartal 2012 zwar ein Gewinn von 64 Mio. US $ erwirtschaftet wurde, die beiden Vorquartale allerdings “blutrot” verliefen und die Wachstumsraten stagnieren.

Insofern bleibt es abzuwarten, ob der Facebook-Hype sich monetarisieren wird oder ob nach der Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends das Jahr 2013 als das Jahr der Social-Media-Blase in die Geschichte eingehen wird.