Typische Führungsfehler vermeiden – Teil II “berechenbar sein”

von Fred Geiger

Problem: Fehlende Berechenbarkeit

Die Realität:

Wenn Sie Umfragen bei Mitarbeitern machen, wie denn der ideale Vorgesetzte auszusehen hat, kommt ziemlich weit oben auf der Liste der Begriff “Authentizität” und in vielen Seminaren für Führungskräfte wird dieses Prinzip auch an vorderste Stelle gelehrt, ja sogar von dem einen oder anderen Managementtrainer auch gepredigt. Praktisch alle führenden Anbieter von Managementtrainings bieten hierzu Seminare an und die Suchwortkombination “Seminar authentisch führen” ergibt sage und schreibe 437.000 Treffer und es werden auch Dutzende von Anzeigen zu diesem Thema bei Google geschaltet. Dabei haben wir offensichtlich vergessen, was “Authentizität” ist und was sie im Führungsalltag für Auswirkungen hat. Unter authentisch (aus dem altgriechischen “authentikos” für “richtig” oder auch “echt”) versteht man eine ursprüngliches, echtes, unverfälschtes, zur Person, dem Urheber (einer Handlung oder einer Rede) passendes Auftreten und Verhalten.  Und wenn wir den Umfragen glauben möchten, ist es genau das, was sich Mitarbeiter von uns, den Führungskräften, wünschen. Echt und unverfälscht agieren bedeutet aber letztendlich auch, dass Sie Stimmungsschwankungen (die nun einmal zutiefst menschlich und unvermeidbar sind) in Ihrem Führungsverhalten zulassen, dass Sie, nicht nur in Stresssituationen, Ihrem cholerischen Temperament nachgeben und Ihren Launen (den Guten, wie den Bösen) freien Lauf lassen und Schwächen bei jeder Gelegenheit offen und freimütig einräumen. All dies ist “echt”, “unverfälscht”, sprich”authentisch”. Insofern wäre der kantige unberechenbare Patriarch eine geradezu idealtypische Verkörperung des ja so gewünschten authentischen Führungsstils.