10 Denkfehler im Marketing Management Teil I

von Fred Geiger

In den USA steht das Wort „Edsel“ sinnbildlich für einen Megaflopp in Sachen Marketing. Gilt dieses Fahrzeug von Ford doch als eines der grandiosesten Missgeschicke der Marketinggeschichte. Aber desaströse Fehlentscheidungen sind im Marketing sehr viel häufiger, als man gemeinhin annimmt, nur werden wir leider von den Erfolgsgeschichten kommunikativ dominiert. Dadurch erhalten wir ein irreales Trugbild, das es uns schwer macht, die rational richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir gehen immer wieder einer hinterhältigen Fata Morgana auf den Leim, die uns manchmal sogar am richtigen Denken hindert.

Warum das so ist? Menschen wollen einfach Erfolgsgeschichten hören, Menschen wollen sich Ihrer Entscheidungen und Ihrer gewählten Strategien sicher sein, Menschen wollen Ihr Weltbild störende Gedanken ausblenden und Menschen neigen in Ihrem Streben nach Harmonie zum Opportunismus.

Einige Beispiel gefällig: Welcher Uniprofessor im Fach Marketing will schon den Hörsaal einem Loser zur Verfügung stellen, der einen Nachmittag über seinen grandiosen Misserfolg referiert, wenn man doch alternativ den smarten Hipster von diesem schicken Berliner Start-Up einladen kann, der das Audimax füllt und dort nicht nur über seine geniale Idee, sondern auch über seine tollen unternehmerisch denkenden Mitarbeiter und die kostenlose Cafeteria seiner Dotcom-Firma mit der selbstverständlich veganen Speisekarte berichten kann? Am Ende besteht der Praxisbezug des Marketingstudiums aus einer wahllosen Aneinanderreihung solcher Erfolgsgeschichten.

Komplexe Marketingprojekte managen – Schritt 2

Komplexe Marketingprojekte managen – Schritt 2: Kritische Erfolgsfaktoren von Marketingprojekten

von Fred Geiger

In vielen Unternehmen gelten Marketingprojekte als wenig planbar und chaotisch. Verschiedene Untersuchungen, u.a. von Beratungsunternehmen wie Proudfoot und der Boston Consulting Group, bestätigen auch leider eindrucksvoll dieses vermeintliche Vorurteil. Ursachen warum es ausgerechnet im Marketing mit dem Management von Projekten einfach nicht klappt, gibt es wie immer sehr viele. Schauen wir uns doch einmal die aus meiner Sicht wichtigsten etwas genauer an:

Ein wichtiger Treiber für das überdurchschnittlich häufige Scheitern von Projekten im Marketing sind sicher die vielen äußeren Abhängigkeiten, denen die Marketingarbeit naturgemäß unterliegt – seien es sich ständig und sehr dynamisch verändernde Marktbedingungen, der dann doch unberechenbare Verbraucher oder immer wieder neue Forderungen vom Controlling, der Technik, dem Vertrieb oder den Vertriebspartnern.

Der andere Grund ist in den handelnden Personen im Marketing selbst zu suchen: es fehlt den meisten Marketingleuten schlicht die Ausbildung und/oder die Erfahrung für die Durchführung komplexer Projekte. Hinzu kommt, dass die meisten Softwarelösungen für Projektmanagement auf  Marketingprojekte nur schwer übertragbar sind und deshalb nur suboptimal funktionieren.

Aber beschäftigen wir uns nicht damit „wie es nicht geht“, sondern beleuchten wir diejenigen Faktoren, die Marketingprojekte inhaltlich, finanziell und zeitlich erfolgreich machen. Aus meiner Erfahrung heraus sind dies:

3 Thesen, wie Sie mit innovativem Marketing Management die Zukunft Ihres Unternehmens gestalten können

WEITERBILDUNG ZUM MARKETING MANAGER DER HAUFE AKADEMIE MIT FRED GEIGER. BESCHREIBUNG UND TERMINE:

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Der sowjetische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew (von dessen Nachnamen es mehrere  Schreibweisen gibt) hat vor nunmehr 90 Jahren die langfristigen Zyklen der Weltkonjunktur entdeckt. Vereinfacht ausgedrückt wird bei ihm die Welt, beginnend mit der industriellen Revolution durch geniale Erfindungen angetrieben. So zum Beispiel (sogar im Wortsinn) durch die Dampfmaschine von James Watt, die Fließbandproduktion in der Variante von Henry Ford, durch den PC, das Internet und jetzt vielleicht die Sozialen Medien. Diese Zyklen dauern meist gut 40 Jahre und enden damit, dass eine Idee ausgereizt ist und das Wachstum zum Erliegen kommt. Und dann, wenn die Nacht am dunkelsten ist, gelingt es durch nie dagewesene Erfindungen, Produkte und Gedanken einen neuen Boom auszulösen. Interessant an den letzten Kondratjews (nach ihrem Erfinder hat man diese Zyklen dann auch benannt) ist, dass ihre Basis nicht einzigartige technische Errungenschaften sind, sondern sie auf einer neuen Art Informationen auszutauschen oder zu vernetzen basieren. Wer auf der neuen Bugwelle des Fortschritts reiten will braucht also keine neue Maschine, sondern ein neues Denken. Kurzum: der technische Fortschritt ist nicht mehr Kern des Erfolgs von Unternehmen, sondern die Verbreitung und Vernetzung von Informationen, Ideen und Werten.

Komplexe Marketingprojekte managen – Schritt 1

Komplexe Marketingprojekte managen – Schritt 1: Analysieren, warum wir scheitern

von Fred Geiger

Das Marketing ist im Unternehmen meist der Bereich, der wie kein anderer durch eine hohe Komplexität und die Notwendigkeit geprägt ist, viele Schnittstellen und Kontakte zeitnah zu managen. Hinzu kommt die hohe Zahl an parallelen Projekten und häufige Änderungen, sei es durch neue Wünsche der Geschäftsleitung, des Vertriebs oder der Kunden oder sei es durch kurzfristige Aktivitäten des Wettbewerbs, auf die wir reagieren müssen. In den letzten Jahren hat sich zudem auch die Zahl der Marketingtools enorm erhöht, so dass wir im Marketing mit „immer mehr Bällen zeitgleich jonglieren müssen“. Insofern ist ein gutes, strukturiertes Projektmanagement zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor geworden.

In der Praxis zeigt sich aber, dass klassisches Projektmanagement, das ja ursprünglich aus den technischen Bereichen der Unternehmen stammt und von Ingenieuren entwickelt und angewandt wird, für die Marketingarbeit oft wenig geeignet ist. Hierfür gibt es viele Gründe: die Mitarbeiter und Lieferanten können mit den oft recht starren Abläufen nicht umgehen, die Dynamik von Marketingprojekten führt zu überbordender administrativer Arbeit und die angewandten Softwarelösungen sind viel zu komplex. Es gilt also einerseits die Marketingarbeit immer stärker projektorientiert zu gestalten, aber dies eben andererseits mit dem nötigen Pragmatismus anzugehen. Am Ende sollte dann eine Lösung stehen, die im Tagesgeschäft zu besseren, schnelleren und zielführenderen Ergebnissen führt und nicht einfach nur zu weiterem bürokratischen Aufwand.

Die 10 größten Fehler im Marketing – Beispiel 10: Silodenken

von Fred Geiger

Wenn Sie Digital Native sind oder die Entwicklung des Internets ab Mitte der 90er Jahre aufmerksam verfolgt haben, werden Sie ganz sicher glauben, dass durch das Web und vor allem die sozialen Medien der Austausch von Informationen und die Meinungsvielfalt deutlich zugenommen hat und Ihre eigenen Möglichkeiten fundierte, faktengestützte Entscheidungen zu treffen sich geradezu dramatisch verbessert haben. Auch ich unterliege ganz häufig dieser Täuschung, denn die Realität ist ganz offensichtlich eine andere, wahrscheinlich ist sogar genau das Gegenteil der Fall:

Zum einen gilt das Phänomen „wir dürsten nach Wissen, aber wir ersaufen in Informationen“ (ein Postulat, das schon 1992 der 2003 verstorbene Neil Postman in seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ vorausgesehen hat), weil uns die moderne Mediengesellschaft im Allgemeinen und das Internet im Besonderen mit einer maßlosen Informationsflut, dargereicht in geringer geistiger Tiefe und verpackt als Entertainment, komplett überfordert. Zum anderen bilden sich in sozialen Medien Biotope Gleichgesinnter, die uns den Blick auf alternative Ansichten vernebeln oder gar unmöglich machen.

Die 10 größten Fehler im Marketing – Beispiel 9: Die Generation 60plus unterschätzen Teil 2

von Fred Geiger

Wie im letzten Artikel beschrieben, birgt die Generation 60plus, der Golden Ager, der Silver Surfer oder der neue Alte, ganz egal, wie wir ihn beschreiben wollen, große Möglichkeiten für innovative Produkte, für auf die Zielgruppe zugeschnittene Dienstleistungen und kann Quell wie Ziel jeder Menge neuer Marketingkonzepte sein. “It´s gold in silver” bedeutet, dass wir den wirtschaftlichen Schatz, den uns diese Zielgruppe bietet noch nicht gehoben haben – die meisten Unternehmen haben ja noch nicht einmal ein Suchteam zusammengestellt. Welches wirtschaftliche Potential in 60plus steckt, kann mittels einiger Fakten zumindest angedeutet werden:

  • Die Kaufkraft in der Zielgruppe 50-59 liegt mit 24.008 € p.a. fast doppelt so hoch wie bei der in Deutschland meist beworbenen Zielgruppe 20-29 (14.189 € p.a.)
  • Alle Zielgruppen im Alter über 50 haben ausnahmslos ein höheres frei verfügbares Einkommen als jede einzelne Zielgruppe unter 50.
  • Bei TUI sind 40 % der Gäste im Sommer über 50 Jahre alt, im Winter sogar 55 %
  • Der Porsche Erstkäufer ist 48 Jahre alt, der eines Mercedes CLK sogar 55 Jahre.

Die 10 größten Fehler im Marketing – Beispiel 9: Die Generation 60plus unterschätzen Teil 1

von Fred Geiger

Auch wenn uns die aktuelle politische und gesellschaftliche Diskussion davon ablenkt: die größte Herausforderung der nächsten 30 Jahre ist weder die Flüchtlingskrise, TTIP, Industrie 4.0, der drohende Brexit oder der Wandel in der europäischen Parteienlandschaft – die größte Krise, die unserem Land bevorsteht ist die “Demografiebombe”, die ihre Wirkung in den nächsten 20 Jahren unaufhaltsam entfalten und (nicht nur) unser Land in dramatischer Weise verändern wird. Was auf uns zukommt, wird uns die Probleme der Wiedervereinigung Deutschlands in der Nachbetrachtung als vergleichsweise lächerlich erscheinen lassen.

Die Vorstellung, dass Deutschland in den nächsten 30 Jahren möglicher Weise um bis zu 20 Mio. Einwohner schrumpfen wird oder wir bis 2030 mehr Menschen verlieren werden als in beiden Weltkriegen zusammen stellt das größte angekündigte Desaster der jüngeren Geschichte dar. Entsprechend wird unsere Republik altern: der Anteil der über 60-Jährigen an der Bevölkerung dieses Landes wird in wenigen Jahren größer sein als der der angeblich so werberelevanten Gruppe der 14-49-Jährigen. Die höchsten frei verfügbaren Einkommen haben, entgegen des landläufigen Vorurteils auch nicht die Mitdreißiger, sondern die Altersgruppen über 60. Auch ist der Erstkäufer eines schicken Mercedes SLK kein Jungmanager oder ein erfolgreicher Start-Up-Unternehmer unter 30, der Erstkäufer eines solchen Fahrzeugs ist im Schnitt 55 Jahre alt.

10 Trends im Social Media Marketing – Trend Nr. 4: Open Innovation

von Fred Geiger

Trend Nr. 4: Open Innovation

Soziale Medien verändern nicht nur die Art und Weise warum, wie, wo und wann wir miteinander kommunizieren und Informationen austauschen, wir stehen aus meiner Sicht erst am Anfang einer viel umfassenderen Veränderung, ja vielleicht sogar einer echten Revolution. Ich bin der Überzeugung, dass wir bis zum Ende dieser Dekade, getrieben durch die Sozialen Medien, nicht nur ein verändertes Kommunikations- und Entscheidungsverhalten, sondern einen wirklichen Paradigmenwechsel in der sozialen und ökonomischen Entwicklung der Menschheit erleben werden. Das ist auch keine wirkliche Überraschung, finden doch, ausgehend vom Zeitalter der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, etwa alle 30 bis 35 Jahre dramatische Veränderungen in der Wirtschaft und damit in der Welt selber statt. Das bedeutet konkret: Social Media ist vielleicht der nächste Kondratjew (je nach Transkription auch als Kontratieff oder Kontratiev bezeichnet) – wir haben es nur noch nicht erkannt. Nikolai Kondratjew war ein russischer Wirtschaftswissenschaftler, der die Gesetze der langfristigen Konjunkturzyklen entdeckt hat und vor allem die Ursachen dafür, dass etwa alle 30 bis 35 Jahre neue Technologien oder Ideen und deren Anwendung neue Wohlstandsschübe auslösen. Am Ende eines solchen Zyklus stehen dann Krisen (die sich bei Kondratjew durch mangelndes Wachstum, fehlende attraktive Anlagemöglichkeiten für Kapitalanleger und eine lange Phase niedriger Zinsen manifestieren (sic!)), weil Technologien und Ideen, die den letzten Kondratjew initiiert haben, an ihre Grenzen stoßen. Am Ende eines Kondratjew kommt dann der Zeitpunkt, in der neue Ideen wieder einen lang anhaltenden Boom bringen. Die positive Botschaft daraus ist: die Marktwirtschaft erfindet sich in einer Krise immer wieder neu. Negativ war diese Botschaft für Kontradjew selbst, denn diese Theorie widersprach der marxistischen Weltordnung (die den zwangsläufigen Untergang des Kapitalismus als unaufhaltbar ansah): deshalb ließ Stalin Kondratjew nach vielen Jahren in Haft im Jahr 1938 umbringen.

10 Trends im Social Media Marketing 2015 – Trend Nr. 3: Individualisierung

von Fred Geiger

Trend Nr. 3: Individualisierung

Das Web bietet über die unzähligen Stamm- und Bewegungsdaten von Kunden, die gerade auch in den Sozialen Medien verfügbar sind, schon heute die theoretische Möglichkeit one-to-one Marketing zu betreiben und damit einen uralten Traum eines jeden Marketingverantwortlichen wahr werden zu lassen. In der Realität werden die Potenziale der Marketingautomatisierung und des Big-Data-Managements aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Das Problem:

Durch die Verknüpfung von Webanalytics-Daten, Informationen aus Bewegungs- und Stammdaten von Kundenbindungsprogrammen, Profilen und Verhalten in Sozialen Medien jeweils in Verbindung mit intelligenten Algorithmen und der effizienten Umsetzung mit cleveren Marketing-Automatisierungstools gibt es heute schon die Möglichkeit die Kundenansprache zu individualisieren. Theoretisch wäre das heute schon möglich:

Targeting und Retargeting Beispiele

In der Praxis stellt sich dies aber als schwierig heraus. Zum einen gibt es die datenschutzrechtliche Problematik zu beachten, die vereinfacht ausgedrückt, den Austausch personalisierter Daten verbietet. Zum anderen fehlt in den Unternehmen auf der Marketingseite, fast immer das Fachwissen, aber oft auch nur die Phantasie und der Mut solche Lösungen umzusetzen. Fälschlicher Weise wird „Big Data“ (denn genau darum geht es) zum IT-Thema, weil dort die technischen Fachleute sitzen und nicht zum Marketingthema (der Bereich, wo es eigentlich hingehört).

Die 10 größten Fehler im Marketing – Beispiel 8: Kopieren des Wettbewerbs Teil 3

von Fred Geiger

Themen wie Innovationskultur, neue Produkte, additive Dienstleistungen oder schnellere Prozesse werden in Umfragen bei den verantwortlichen Unternehmenslenkern, den Marketingleuten oder den Entwicklungsingenieuren regelmäßig als die Kernaufgaben erfolgreicher Unternehmensführung benannt. In der Realität hingegen ist das am status quo oder gar am eigenen Status orientierte Beharrungsvermögen der Führungskräfte, aber auch das der meisten Mitarbeiter jedweder hierarchischer Ebene, erstaunlich groß.

Hierfür gibt es mehrere Gründe. Einer ist schlicht die menschliche Natur, denn die Menschheitsgeschichte zeigt, dass es zwar immer einzelne mutige Menschen sind, die die Welt verändern (dabei aber oft das hohe Risiko der eigenen Pleite oder gar ihres Todes eingehen), dass sich die große Masse der Menschen aber meist konform verhält, weil “dem Herdentrieb folgen” einfach ein geringeres persönliches Risiko bedeutet. Kurzum: es überlebt in der Regel der, der es immer so macht wie alle anderen, der Nonkonformist hingegen hat zunächst die schlechteren Karten. Deshalb wird er auch von der Herde ausgegrenzt. So funktionieren Diktaturen und so funktionieren leider auch viele Unternehmen. Deshalb geigt in Nordkorea Kim-Jong-Un niemand seine Meinung und deshalb sind aktuelle Skandale wie die im VW-Konzern überhaupt möglich. Hinzu kommt die Tendenz in Organisationen (sei es Vater Staat, ein x-beliebiges Unternehmen oder auch nur die Familie), dass wir sowohl in der Kindererziehung, als auch bei der Mitarbeiterführung Fehler nicht als eine Notwendigkeit begreifen, um darauf aufbauend zu neuen Lösungen zu kommen, sondern Fehler gnadenlos sanktionieren, das vermeintliche “fehlen” oder das verbergen von Fehlern hingegen belohnen.